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Wochenrückblick vom 14.02. bis 18.02.2011

gestartet am 23.02.2011  |  0 Kommentare  |  letzte Änderung am 23.02.2011
Dax, Dow Jones, Nikkei und Euro Stoxx haben zur Zeit eines gemeinsam. Sie steigen und steigen. Am Freitagnachmittag schloss der Dax bei 7.426 Punkten und damit nur knapp unter seinem Jahreshoch vom Mittwoch bei 7.438 Zählern. Seit Jahresbeginn hat er damit rund sieben Prozent gewonnen, seit September vergangenen Jahres sind es in der Spitze sogar 27 Prozent. Bei den anderen Leitindizes der westlichen Industriena-tionen lief es nicht viel anders. Sie alle haben seit September um mehr als 20 Prozent zugelegt. Doch was des einen Freud des anderen Leid. Der Bundfuture für die 10-jährige Bundesanleihe hat im gleichen Zeitraum knapp acht Prozent von ca. 134 Euro auf ca. 123 Euro verloren. Die Attraktivität der Staatsanleihen hat gegenüber Aktien nicht nur aufgrund der Euro-Schulden-Krise sondern auch auf Grund der niedrigen Renditen erheblich gelitten und so wurde fleißig umgeschichtet. Im Gegensatz zu Anleihen steht hinter Aktien kein Rückzahlungsversprechen, das potenziell gebrochen oder mit verringerter Kaufkraft eingelöst werden kann. Durch die guten Gewinn-aussichten der Unternehmen ist gegenwärtig eine Investition in Aktien für die Investoren wohl ökonomisch sinnvoller als eine Forderung an einen hochverschuldeten Staat.

Deutschland

Obwohl die vergangene Woche arm war an wichtigen Konjunkturdaten, hangelten sich die deutschen Indizes auf Höchstkurse. Ein paar positive Meldungen kamen vom Arbeitsmarkt. Mit mehr als 41 Millionen Menschen in Arbeit erreichte Deutschland einen neuen Rekord. Das ist die höchste Zahl an Erwerbstätigen seit der Wiederverei-nigung 1990. Dafür verantwortlich ist vor allen Dingen der Dienstleistungssektor mit mehr als 30 Millionen Beschäftigten. Eine Zunahme verzeichnete auch das Bauge-werbe. Der Statistik zufolge waren 36,61 Millionen Menschen angestellt und 4,43 Millionen arbeiteten selbständig. Des Weiteren hat sich nach vorläufigen Berech-nungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit im vierten Quartal die Zahl der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Prozent auf 362,2 Stunden erhöht. Die Kurzarbeit verlor an Bedeutung, bei der normalen Wochenarbeitszeit und den Guthaben auf Arbeitszeitkonten war ein leichter Anstieg zu verzeichnen.

Doch die Kehrseite des derzeitigen Aufschwunges bleibt die Inflation. Die Erzeuger-preise für gewerbliche Produkte stiegen im Januar mit beschleunigtem Tempo an. Gegenüber dem Vorjahresmonat kletterte der Index um 5,7 Prozent. Im Dezember 2010 hatte die Jahresveränderungsrate noch bei 5,3 Prozent und im Januar 2010 sogar bei minus 3,4 Prozent gelegen.

Auf der Hauptversammlung der Infineon Technologie AG wurde die die bereits bekann-ten guten Zahlen bestätigt. Im Zuge des konjunkturellen Aufschwunges blickt man bei Infineon optimistisch in die Zukunft und die für 2010 beschlossene Dividende von 0,10 Euro soll laut Vorstand keine Eintagsfliege sein.

Anleihemärkte, Zinsen und Währungen

Die EU-Finanzminister tagten in der vergangenen Woche und beschlossen, dass der Krisenfonds für angeschlagene Eurostaaten de facto verdoppelt wird. Der für 2013 geplante dauerhafte Fonds wird einen Umfang von 500 Milliarden Euro haben, sagte der Vorsitzende der Finanzminister des Eurogebiets, Jean-Claude Juncker nach den Beratungen in Brüssel. Dazu kommen dann noch Beiträge des Internationalen Währungsfonds (IWF) und freiwillige Leistungen von Nicht-Eurostaaten. Der neue Krisenmechanismus ESM soll von 2013 an eingerichtet werden, dafür wird auch der EU-Vertrag ergänzt. Auf dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am 24. und 25. März wird in einem Gesamtpaket zur Euro-Absicherung auch über eine Wirtschaftsregierung für die Eurostaaten entschieden, die von Deutschland und Frankreich ins Spiel gebracht wurde und unter den Partnern umstritten ist. Mit dem "Pakt für Wettbewerbsfähigkeit" sollen die Volkswirtschaften der Eurostaaten enger verzahnt werden, um künftige Schuldenkrisen zu verhindern.

Auf der Tagung der Finanzminister wurde auch über die finanziellen Aspekte des Machtwechsels in Ägypten beraten. Ägypten bat am Montag mehrere EU-Staaten, Konten von Würdenträgern des gestürzten Regimes von Präsident Husni Mubarak zu sperren.

Die Europäische Zentralbank muss sich immer mehr dem Kampf gegen die Inflation stellen. Kommentare von EZB-Mitglied Lorenzo Bini Smaghi zu möglichen Zinserhö-hungen der Europäischen Zentralbank als Reaktion auf die steigenden Inflations-gefahren trieben den Euro gegenüber dem US-Dollar nach oben. Die Aussicht auf höhere Zinsen macht Anlagen in der entsprechenden Währung attraktiver.

Auf dem Treffen der G20, der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer gingen die Meinungen über Lösungen zum Abbau von weltweiten, wirtschaftlichen Ungleichgewichten bereits in den Vorgesprächen auseinander. Und so kam es auch am Wochenende nicht zur Vereinbarung definitiver Ziele und Maßnahmen sondern nur zu Absichtserklärungen.

Portugal bereitet den Ländern der Europäischen Union nach wie vor Sorgen. Nach dem Renditeanstieg in der vorletzten Woche, kletterten die Renditen für die fünfjährigen portugiesischen Staatsanleihen nochmals und damit auf ein Euro-Allzeithoch von 7,196 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass das südeuropäische Land wohl doch unter den Euro-Rettungsschirm flüchten muss, wird immer größer. Zum Vergleich: Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag zum Ende der vergangenen Woche bei 3,18 Prozent.

Die Nachfolge des im April aus dem Amt scheidenden Bundesbankchefs, Axel Weber, übernimmt ab Mai Jens Weidmann. Er war bisher als wirtschaftspolitischer Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel tätig. Vizechefin der Bundesbank soll ab Juni die derzeitige Chefin der Finanzaufsicht BaFin, Sabine Lautenschläger, werden. Sie löst Franz-Christoph Zeitler ab, dessen Amtszeit Ende Mai ausläuft.

USA

In den USA beflügelt die Konsumlaune der US-Verbraucher den Optimismus, was die Erholung der Wirtschaft angeht. Obwohl der Arbeitsmarkt weiter Sorgen bereitet, korrigierte die US-Notenbank ihren Konjunkturausblick nach oben. Für dieses Jahr rechnet die Federal Reserve (Fed) mit einem Wachstum zwischen 3,4 und 3,9 Prozent. Das geht aus einem veröffentlichten Protokoll der jüngsten Notenbanksitzung hervor, die Ende Januar stattfand. Bislang lag die Wachstumsprognose zwischen 3 und 3,6 Prozent. Grund für die besseren Zahlen sind vor allem die stark gestiegenen Ausgaben der Verbraucher. Allerdings sind sich die Experten der Institution nicht sicher, wie lange das positive Konsumklima anhält. Für den US-Arbeitsmarkt bleiben die Aussich-ten allerdings düster. Die Arbeitslosenquote wird sich nach Erwartung der Fed zwischen 8,8 und 9 Prozent einpendeln, ein Wert, der nur unwesentlich geringer ausfiel, als zum Zeitpunkt der Novembersitzung. Für die kommenden Jahre hielt die Fed weitgehend an den Voraussagen fest. 2012 soll das Wachstum zwischen 3,5 und 4,4 Prozent liegen, 2013 zwischen 2,7 und 4,6 Prozent.

Auch das US-Konjunkturbarometer wies im Januar leicht nach oben und signalisierte, dass sich die Wirtschaft weiter erholt, wie das private New Yorker Institut Conference Board mitteilte. Es legte im Januar um 0,1 Prozent zu, nachdem der Sammelindex der Frühindikatoren im Dezember bereits um 0,8 Prozent gestiegen war. Es war der siebte monatliche Anstieg in Folge. Der Index gibt einen Hinweis auf die Entwicklung in den kommenden drei bis sechs Monaten. Dass der Arbeitsmarkt aber diesen Entwicklungen nicht folgt, zeigt die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe, die in der vergangenen Woche um 410.000 gestiegen sind. Auch die Verbraucherpreise zogen in den USA weiter leicht an. Im Januar lag die saisonbereinigte Inflationsrate im Vergleich zum Vormonat bei 0,4 Prozent. Auf Jahressicht erhöhte sich das Preisniveau um 1,6 Prozent. Wie in den anderen Ländern auch, sind vor allem gestiegene Kosten für Benzin und Nahrungsmittel für den Anstieg verantwortlich.

Doch die Wall Street setzte ihre Rally in der vergangenen Woche unbeirrt fort. Gute Unternehmensbilanzen animierten die Investoren und lenkten von den Unruhen im ölreichen Nahen Osten und in Nordafrika ab. Der Leitindex im US-Aktienmarkt schloss am Freitag auf dem höchsten Stand seit Juni 2008. Seit Anfang September hat der Dow Jones Index um 28 Prozent zugelegt und Analysten warnen immer mehr vor einem Überhitzen des Marktes.

Mit negativen Schlagzeilen, neben der Krankheit von Steve Jobs musste sich in der vergangenen Woche Apple herumschlagen. Der iPhone-Hersteller entdeckte bei der jährlichen Überprüfung seiner Zulieferer Kinderarbeit und den gefährlichen Einsatz einer Chemikalie. Zehn Zulieferer beschäftigten insgesamt 91 Minderjährige. Besonders gründlich wurde die Lage beim Auftragshersteller Foxconn untersucht, der neben Apple-Geräten auch für zahlreiche andere Elektronik-Konzerne produziert. Eine Serie von Selbstmorden unter den Foxconn-Beschäftigten hatte im vergangenen Jahr für weltweites Aufsehen gesorgt. Apple ist nur einer von vielen Hardware-Herstellern, die ihre Produkte in Asien produzieren lassen. Doch der Konzern steht aufgrund seines vermeintlich von Correctness und Social Business geprägten Markenimages stärker im Rampenlicht als andere. Nach Kritik von Gewerkschaftern und Menschenrechts-aktivisten, die den Auftragsherstellern schlechte Arbeitsbedingungen vorwarfen und Apple deren Duldung unterstellten, hat der Computerkonzern seine Stichproben in den letzten vier Jahren verstärkt.

Rohstoffe

Silber ist weiter auf dem Vormarsch. Der Preis für Silber kletterte mit 31,95 US-Dollar zeitweise auf den höchsten Stand seit 31 Jahren. Auftrieb erhielt der Silberpreis auch durch Investments der Anleger in sogenannte Silber-ETFs. Die Edelmetalle sind vor den anhaltenden Unruhen in der arabischen Welt bei den Investoren als „sicherer Hafen“ wieder attraktiv. Noch im Januar waren die Preise für Silber um neun, für Gold um sechs Prozent gefallen, weil Investoren vor allem auf konjunktursensible Rohstoffe wie Kupfer gesetzt hatten.

Nach der erneuten Straffung der Geldpolitik in China gab der Kupferpreis leicht nach. China ist der größte Kupferverbraucher und in Erwartung eines anhaltenden Wachs-tums der chinesischen Wirtschaft war der Kupferpreis noch in der Vorwoche auf ein neues Rekordhoch von 10.190 US-Dollar gestiegen.

Europa

Der EuroStoxx 50 Index schloss am Freitag knapp unter seinem Zwei-Jahres-Hoch von 3.077 Punkten. Die positiven Unternehmensmeldungen der wichtigsten Unternehmen in Europa haben auch in der vergangenen Woche angehalten. Der Stoxx 600 kletterte um 1,5 Prozent auf 291 Punkte. Im Laufe der ersten Hälfte der Berichtssaison über-trafen 50 Prozent der Unternehmen die Gewinnerwartungen und 10 Prozent lagen innerhalb der Erwartungen. Noch besser sah die Bilanz beim Umsatz aus: 58 Prozent der Unternehmen lagen klar über den Erwartungen und im Vergleich zum dritten Quartal stieg der kumulierte Gesamtumsatz um drei Prozent.

Da der Finanzsektor nach wie vor Aufholpotential besitzt, entwickelten sich diese Aktien in der vergangenen Woche wieder überdurchschnittlich. Banken legten fast 5 Prozent zu und Versicherungen und Immobilienaktien stiegen um über 2,3 Prozent. Seit Jahresanfang sind Banken mit plus 16 Prozent und Versicherungen mit plus 18 Prozent die klaren Outperformer.

Positive Impulse kamen in der vergangenen Woche auch vom ifo-Weltwirtschafts-klimaindikator, der sich deutlich verbesserte. Mit 106,8 Punkten lag der Index klar über dem Wert vom Vorquartal mit 98,6 Punkten und dem Vorjahresniveau von 99,5 Punkten. Der Anstieg des Weltwirtschaftsindikators resultierte aus günstigeren Einschätzungen der derzeitigen Lage und der Perspektiven für die nächsten sechs Monate. Der Indikator befindet sich nun deutlich oberhalb seines langfristigen Durchschnitts. Auch die Konjunkturerwartungen für die Schweiz haben sich im Februar verbessert. Der ZEW-Indikator wuchs um 1,2 Punkte auf jetzt -17,2 Punkte. Gute Nachrichten meldete auch der krisengeschüttelten Süden Europas. Die spanische Wirtschaft ist im vierten Quartal stärker gewachsen. Das BIP stieg gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Prozent nach 0,2 Prozent im dritten Quartal.

Negativ entwickelt sich gegenwärtig nur der Automobilmarkt in Europa. Die Zahl der Auto-Neuzulassungen in der EU27 sank im Januar abermals und binnen Jahresfrist wurde ein Rückgang um 1,4 Prozent verzeichnet.

Japan, China, Emerging Markets

Die Börse in Japan kennt zur Zeit nur eine Richtung, aber die Wirtschaftsdaten spiegeln dies nicht wieder. Die Wirtschaft ist im dritten Quartal des bis Ende März laufenden Steuerjahres geschrumpft. Wie die Regierung auf vorläufiger Basis bekannt gab, sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen Oktober und Dezember um eine hochgerechnete Jahresrate von 1,1 Prozent. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Berichtsquartal war der erste seit dem dritten Quartal 2009. Im Vergleich zum Vorquartal schrumpfte Japans Wirtschaft um 0,3 Prozent. Damit hat China nun auch offiziell Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt abgelöst. Die japanische Wirtschaft kämpft vor allem gegen Deflation und gigantische Schulden und leidet unter dem festen Yen. Aber der Rückgang des BIP fiel deutlich geringer aus, als Volkswirte in Tokio erwartet hatten und dies schürt die Hoffnung, dass Japan möglicherweise schon bald auf den Erholungspfad zurückkehren könnte. Auch die Einschätzung der Bank of Japan stimmt damit überein. Die Notenbank hat zwar ihren Leitzins nicht verändert, aber dennoch erstmals seit Mai 2010 ihre Einschätzung der Wirtschaftslage angehoben. Auch dafür rücken die alte Wirtschafts-Großmacht Japan und das ökonomisch aufstrebende Indien enger zusammen. Beide Staaten öffnen gegenseitig ihre Märkte und besiegelten das durch die Unterzeichnung eines Freihandels-abkommens. Beschränkungen für japanische Investitionen sollen in Indien gelockert werden und im Gegenzug beschleunigt Tokio Genehmigungsverfahren für indische Arzneimittel. Und so wurde der Aktienmarkt in der vergangenen Woche durch einen schwächeren Yen und großem Interesse ausländischer Investoren weiter beflügelt. Zum ersten Mal seit neun Monaten kletterte der Nikkei über die Marke von 10.800 Punkten. Besonders im Fokus der Anleger stand Nintendo. Der Spielkonsolen-hersteller will eine neue Version seines Minigerätes DS auf den Markt bringen, das einen 3D-Effekt ohne Brille ermöglichen soll. Die Markteinführung ist für den 26. Februar in Japan und dann im März für die USA geplant.

Die Meldungen aus China sind fast immer die gleichen und beschäftigen sich mit der Inflation. Im Januar waren die Preise um 4,9 Prozent gestiegen. Besonders die rapide steigenden Lebenshaltungskosten und die anhaltend hohe Kreditvergabe machen Chinas Notenbank zu schaffen und schüren die Furcht vor einer Überhitzung des Wirtschaftswachstums. Im Kampf dagegen zügelt die Notenbank in Peking die Kreditvergabe an die Banken. Die Mindesteinlage, die Geldinstitute bei der Zentral-bank halten müssen, stieg nach Angaben der chinesischen Notenbank um einen halben Prozentpunkt. Die Institute können das bei der Zentralbank geparkte Geld nicht mehr für eine Darlehensausreichung nutzen. Es war bereits die zweite Erhöhung der Mindestreserveanforderungen in diesem Jahr und es werden auch noch weitere Zinserhöhungen erwartet

Dipl. Volkswirt Kathrin Rosemann

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